Die Waffen der Frauen (Neue Presse)

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©Martin Modes In Bad Lobenstein hat Daniel Leistner (rechts) seine fünften Festspiele ins Leben gerufen. Das Stück „Schlau, schlau, die Frau“, eine Molière-Adaption unter seiner Regie, ist noch bis zum 25. September im Schlosspark der Kurstadt zu sehen. Foto: Martin Modes

Bad Lobenstein will eine neue Theater-Tradition begründen. Mit Daniel Leistner, der hier kürzlich seine fünften Festspiele ins Leben gerufen hat...

Bad Lobenstein/Ludwigsstadt – Erst zogen Daniel Leistners Faust-Festspiele von Kronach nach Pegnitz um, im nächsten Jahr kommt nun der Neustart in Pottenstein. Zusammen mit den Ludwigsstadter Shakespeare-Festspielen ist es jetzt das fünfte Mal, das Leistner eine neue Festspieltradition begründet: mit den Schlosspark- Festspielen in Bad Lobenstein. Kürzlich feierten diese ihre Premiere und seitdem haben sich erstaunlich viele Zuschauer davon anziehen lassen. Besonders auffallend bei der Eröffnung: Etliche Fahrzeuge trugen Kronacher Kennzeichen – und brachten offenbar Publikum, das mal wieder Leistner sehen wollte. Das Bühnengeplänkel, dass sich der Regisseur zum Auftakt mit dem Bürgermeister der Kurstadt, Thomas Weigel, lieferte, war kurz, aber prägnant. Denn der Rathauschef nutzte die Gelegenheit und begrüßte die Besucher augenzwinkernd in Bad Lobenstein als einer der drei bedeutendsten Festspielstädte – neben Salzburg und Bayreuth.

Das Stück – eine Adaption von Molières „Die Schule der Frauen“, die  in dieser Version „Schlau, schlau, dieFrau“ heißt – sowie der Spielort und das Ensemble können an diesem Theaterabend mit den übrigen Theaterstätten in der oberfränkischen Umgebung mithalten. Ein völlig neues Ensemble wurde hier aus dem Boden gestampft – mit zwei bekannten Größen: Gerti und Rico Wurzbacher gehörten von Anfang an zu den tragenden Ensemble-Mitgliedern in Ludwigsstadt und sind auch diesmal Zugpferde. Als einheimische Lobensteiner sind sie auch noch Lokalmatadoren. Ein nächtlich beleuchteter Kurpark als Spielstätte ist sicher auch hier ungewohnt. Der Ort gibt dem Theater Raum und Tiefe und macht ihn eindrucksvoll – wie man das sonst mit einem Platz, der von Tribünen eingekastelt wird, nicht erreichen kann. Das trägt auch zur Fitness der Darsteller bei, die ordentlich durch den Park rennen müssen. Die eigentliche Plattform für die Darsteller hingegen hat Werkbühnengröße – und fokussiert das Geschehen.

Dort läuft Herr Arno (Gerti Wurzbacher) auf: ein kleiner, drahtiger Kerl, gernegroß, reich und mächtig – und außerdem furchtbar naiv. Und ein  Macho alter Schule. Er erzieht sich ein junges Mädchen in Unwissenheit und totaler Dummheit, wie er glaubt, damit sie ihn heiratet. Doch Agnes (Franziska Pilz), seine Braut und sein Mündel, ist entwaffnend schlau und trickst ihn aus, damit sie am Ende den gut aussehenden Horatio (Daniel Leistner) glücklich machen kann.

Familie Dödel, Arnos persönliche Leibeigene mit Papa Dödel (Rico Wurzbacher), Mama Dödel (Antonia Reichelt) – „die mit dem stärksten Schlag“ – und Bruder Dödel (Katja Spitzner) geben sich einfach nur dödelig und scheinbar doof. Dabei schaffen sie es immer wieder, ihrem Herrn Arno ein paar schmerzhafte Schläge ins Gesicht zu verpassen. Sie sind die unschuldsvollen Spaßmacher.

Die weibliche Dominante am Abend garantiert das Cousinen-Geschwader: Sabine, Hermine und Christine (Alexandra Busch, Jana Rother und Claudia Reichelt) geben dabei herrliche Lästerschwestern, die man nur im Dreierpack bekommt und die man in ihren selbst geschneiderten Rokoko-Kleidern erlebt haben sollte.

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