Die Geschichte – Wie? Wo ist denn Shakespeare?

Moment mal! Die Shakespeare-Spiele ohne Shakespeare? Wie kann das sein? Naja, was will man machen, es muss halt mal sein. Weil ... der Shakespeare hat einfach zuviel gefeiert an seinem 450. Geburtstag im Jahre 2014. Und jetzt, jetzt isser ein bisschen schlapp und muss sich erst mal erholen.

Und, entschuldigung, wir Ludschter wissen, wie er gefeiert hat, der alte Shakespeare, weil wir haben ja extra eine Riesen-Geburtstagsparty für ihn organisiert! Das war ein Ding! Und deswegen braucht er jetzt ein wenig Ruhe. Aber keine Angst, nächstes Jahr, 2016, zu seinem 400. Todestag, ist er wieder voll da!

Damit wir Ludschter 2015 trotzdem tolles Theater machen können, schickt Shakespeare uns seinen Kumpel Johann Nestroy vorbei, den berühmten österreichischen Komödiendichter! Und damit ist die Spielzeit 2015 das erste "Kumpeljahr" der Shakespeare-Spiele-Ludwigsstadt.

Außerdem ist es durchaus folgerichtig, dass sich Festspiele, die sich dem Erbe Shakespeares verschrieben haben, auch andere Klassiker der Weltliteratur spielen. Denn Shakespeare, der größte Dichter der Welt, steht für die Klassiker an sich, steht für Literatur und Theater.

Deswegen werden wir hier in Ludwigsstadt auch in Zukunft nicht nur Shakespeare spielen, sondern auch andere große Klassiker der Weltliteratur. Und mit dem guten alten Nestroy fangen wir an.

Die 1842 aufgeführte Posse „Einen Jux will er sich machen" entstammt Nestroys schöpferisch fruchbarsten Jahren und gilt neben „Lumpazivagabundus" als eines seiner größten Erfolge.

Der amerikanische Dichter Thornton Wilder bearbeitete Nestroys Stück in den 1930er Jahren, erfand eine zusätzliche weibliche Hauptfigur, und erschuf daraus die Komödie „Die Heiratsvermittlerin", die als Grundlage für das weltberühmte Musical „Hello, Dolly!" diente.

Hauptfigur von „Einen Jux will er sich machen" ist der liebenswerte Verkäufer Weinberl, eine von Nestroy selbst mit Vorliebe verkörperte Figur.

Weinberl, eine Mischung aus Kleinbürgerlichkeit und dichterisch beschwingter Phantasie, will wenigstens einmal im Leben so richtig über die Stränge zu schlagen. Ohja, er möchte einmal ein so großes Abenteuer erleben, dass er noch bis ins hohe Alter davon erzählen kann. Deshalb benutzt er die Abwesenheit seines Chefs für einen Ausflug in die große Stadt, um sich dort einen Jux zu machen.

Und dieser Jux gelingt dem armen Weinberl nur zu gut. So gut sogar, dass er ihm förmlich um die Ohren fliegt. Denn von jenem Augenblick an, wo die Situation ihn zwingt, sich für einen anderen auszugeben, reißen die Abenteuer nicht mehr ab. Als Spießgesellen hat Nestroy seinem Helden den Lehrbuben Christopherl zur Seite gestellt. Und auch Christopherl ist eine der unvergänglichen, weltberühmten Figuren des Autors in einem der zweifellos lustigsten Komödien der Weltliteratur.